Neshama – ein kurzer Überblick
„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen wird.“ heißt es im Talmud, einer der wichtigsten jüdischen Glaubensschriften. Dieser Idee folgend beschloss die Europäische Kommission in Zeiten, in denen rassistische und fremdenfeindliche Ressentiments wieder en vogue sind und Zeitzeugen der Shoah zunehmend verschwinden, ein Programm ins Leben zu rufen, welches junge Menschen aus ganz Europa zusammenbringt und ihnen die tiefgreifenden Nachwirkungen des Holocaust auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene bewusst macht. Der Name Neshama kommt aus dem hebräischen und heißt so viel wie „Seele” oder „Hauch des Lebens”. Wir hoffen mit unserer Arbeit in diesem Projekt daran mit zu wirken, die Erinnerung weiter zu tragen und besonders für junge Leute neues Leben einzuhauchen. Seit Anfang 2025 vertritt unsere Gruppe offiziell Deutschland im Neshama-Projekt, dem Network of European YouthS for Holocaust Awareness and ReMembrAnce.
Die Arbeit im Projektunterricht — von Überblickswissen zu geschichtswissenschaftlicher Grundlagenarbeit
In verschiedenen Formaten erhalten die Teilnehmenden nicht nur Einblicke in verschiedene historische Forschungsschwerpunkte zum Holocaust, sondern auch die Möglichkeit mit noch lebenden Zeitzeugen aus verschiedenen Ländern ins Gespräch zu kommen.
Zu Beginn der Arbeitsphasen verschafften sich die Schülerinnen und Schüler einen Überblick über die Ideologie des Nationalsozialismus, über verschiedene NS-Organisationen und über das System der Konzentrationslager im Dritten Reich. Anschließend begleiteten wir die Tage der Begegnung 2025 und die Besuche der Gedenkstätte in Langenstein.
Im weiteren Verlauf des Projektzeitraums arbeiteten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen an mehreren Projekten, wie der Erarbeitung von Biografien mehrere Inhaftierte, der Überarbeitung des Wikipedia-Artikels und der Erschließung wichtiger Informationen zu Häftlingen eines Transportes, der im Februar 1945 das Lager Langenstein erreichte. Letzteres stellt geschichtswissenschaftliche Grundlagenarbeit dar, welche die Gedenkstätte in ihrer Forschungsarbeit unterstützt.
Die Transportliste vom 19.02.1945
Im Februar 1945 erreichten zwei große Transporte mit je mehr als eintausend Menschen aus den aufgelösten Lagern Auschwitz und Groß-Rosen, das Lager in Langenstein. Die Namen der Deportierten wurden in langen Listen dokumentiert und sind heute ein Ausgangspunkt für die Arbeit der Neshama-Gruppe. In der Transportliste sind nur eine laufende Zeilennummer, die Häftlingsnummer innerhalb des Transportes und die Nachnamen vermerkt. Um weitere Informationen über die Menschen des Transportes zu herauszufinden, nutzt die Gruppe das Onlineangebot der „Arolsen Archives – International Center on Nazi Persecution” mit Sitz im hessischen Bad Arolsen. Diese stellen das größte Archiv für Dokumente von Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus, dar. Über das Onlinearchiv können rund 30 Millionen Dokumente durchsucht werden. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten sich also Name für Name durch die Liste. Aus den zahllosen digitalisierten Personenkarten, Häftlingsausweisen und Formularen recherchieren sie unter anderem, deren Geburtsort, Stationen im KZ-System vor Langenstein, sowie wo, wann und warum sie erstmals verhaftet wurden.
Anhand der fertigen Liste können dann neue Erkenntnisse über die Geschehnisse und die inhaftierten Menschen gewonnen werden.
Durch viele handschriftliche Eintragungen auf den Dokumenten ist die Arbeit sehr aufwendig und manche Angaben lassen sich nur schwer klären.
Trotz der Größe der Aufgabe sind wir motiviert und haben unser Ziel, die Liste bis zum Ende des Projektes vollständig zu bearbeiten, fest im Blick.
Internationale Treffen — Möglichkeit für europäischen Austausch
Zu den Highlights des Programms gehören zweifellos die Reisen zu den internationalen Treffen in Paris und Auschwitz. Dort bietet sich die Gelegenheit mit den Lernenden aus den anderen Ländern in Kontakt zu kommen und neben Erkenntnisgewinnen auch neue Freundschaften, zu gewinnen.
Um unser Wissen weiter zu vertiefen besuchen wir Mitte August das Museum für Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in Weimar und die Gedenkstätte Buchenwald. Doch auch die regelmäßigen Besuche der Gedenkstätte Langenstein sind fester Bestandteil der Arbeit, die ansonsten hauptsächlich in der Schule und online passiert.
Am Ende des Schuljahres läuft das Projekt aus und wir hoffen auf eine Fortsetzung in den nächsten Jahren.
Georg Thomas, Projektleiter




